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Im Gespräch mit UniversityJournal: Prof. Dr. Michael Frenkel, Rektor der WHU – Otto Beisheim School of Management – über den WHU-Spirit und die Bestrebungen, weiterhin zu den Top-Hochschulen Europas in der Managementausbildung zu gehören. Und eines verdeutlicht Prof. Frenkel auch: die WHU ist ein sehr guter Arbeitgeber für den wissenschaftlichen Nachwuchs.


UniversityJournal: Die WHU ist mittlerweile fest etabliert in der Hochschullandschaft. Können Sie bitte den Weg seit der Gründung 1984 etwas skizzieren?
Frenkel: Es gab Anfang der 80er Jahre in Deutschland große Defizite in der Managementausbildung. Deshalb entstand bei der IHK Koblenz die Idee, dem Missstand durch die Gründung einer privaten Hochschule mit einem Ausbildungskonzept ohne solche Defizite abzuhelfen. Der Studienbetrieb begann im Oktober 1984. Zwei Jahre später zog die WHU von Koblenz nach Vallendar. Wichtig waren natürlich auch die Verleihung des Promotions- und Habilitationsrechtes 1986/87 und die Zustiftung von rund 25 Millionen Euro durch den Metro-Gründer Otto Beisheim im Jahr 1993. Inzwischen ist die Hochschule weiter gewachsen und wir werden uns auch in den kommenden Jahren noch deutlich vergrößern.

UniversityJournal: Spätestens mit dem Bologna-Prozess sind Hochschulen im (inter-)nationalen Wettbewerb. Wie positioniert sich hier die WHU?
Frenkel: Wir sehen uns als Hochschule, die nicht nur Manager ,ausbildet’, sondern Führungspersönlichkeiten hervorbringt. Das geht über die rein fachlichen Qualifikationen, wie sie auch die Wettbewerber bieten, weit hinaus. Den Studierenden und Programmteilnehmern vermitteln wir aber auch das, was unsere Hochschule vor allem auszeichnet: Den WHU-Spirit. Alles, was wir tun, tun wir mit Leidenschaft und dem Bewusstsein von Verantwortung. In diesem Sinne investieren wir gerade in die Verbesserung der ohnehin schon hohen Qualität von Forschung und Lehre. Bis 2011 werden wir die Zahl der Vollprofessuren auf circa 30 erhöhen, indem wir weitere Top-Dozenten nach Vallendar holen. Wir bauen unsere Infrastruktur aus, erweitern das Angebot an Studiengängen und wollen in den nächsten Jahren unsere Position unter den europäischen Top-Hochschulen in Betriebswirtschaftslehre weiter festigen. Die Voraussetzungen dafür sind nicht zuletzt dank unserer internationalen Akkreditierung EQUIS hervorragend.

UniversityJournal: Auf welche Felder setzt die WHU besonders?
Frenkel: Unser Anspruch ist es, ,Excellence in Management Education‘ zu bieten. Das bedeutet ganz konkret: Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Studenten hervorragende Fachkenntnisse erwerben, aber sich auch ihrer Verantwortung bewusst werden – nicht nur für das Unternehmen, in dem sie einmal arbeiten werden, sondern auch für die Gesellschaft. Sie sollen kritisch reflektieren, was sie hier lernen. Deshalb wählen wir sie sorgfältig aus, nach fachlichen, aber auch nach persönlichen und sozialen Kriterien. Die WHU bietet den Studenten für jede Phase des Berufslebens den passenden Studiengang. Alle Programme orientieren sich stark an der Verbindung von akademischen Konzeptionen und Problemstellungen der unternehmerischen Praxis. Dies wird auch durch die zahlreichen Praktika und eine hervorragende Vernetzung in die Wirtschaft gewährleistet.

UniversityJournal: Einerseits befinden sich Hochschulen in Konkurrenz um Studierende, andererseits auch um sehr gute Nachwuchswissenschaftler. Was macht die WHU als Arbeitgeber für die besten von ihnen attraktiv?
Frenkel: Zum einen natürlich der intensive Transfer zwischen Forschung, Lehre und Wirtschaft. Das gibt es so an kaum einer anderen deutschen Business School, deshalb sind wir auch als einzige Privathochschule Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Von dem engen Austausch mit der Wirtschaft profitieren unsere Wissenschaftler enorm: Sie bekommen wertvolle Impulse, die es ihnen ermöglichen, mit ihrer Arbeit Maßstäbe zu setzen. Und sie können diese Impulse direkt in ihrer Lehre umsetzen. Dank unseres Netzwerkes von 150 ausländischen Partnerunis bietet die WHU jungen Wissenschaftlern außerdem die Möglichkeit ausgezeichneter Forschungskooperationen. Dazu kommt die Unabhängigkeit unserer Professoren. Wir bemühen uns zwar um Drittmittel sowohl bei Forschungsinstitutionen als auch bei Unternehmen, führen aber keine Auftragsforschung durch. Positiv für die Forschung der Hochschullehrer ist auch die allgemeine Unterstützung solcher Aktivitäten durch die Hochschule und die kreative Atmosphäre an der WHU.

UniversityJournal: Wie sehen Sie die WHU im Spannungsfeld ,Freiheit von Forschung und Lehre’ versus ,Kommerzialisierung des Campus’?
Frenkel: Wir sind in der glücklichen Situation, dass es dieses Spannungsfeld bei uns nicht gibt. Es wäre auch gar nicht möglich, exzellente Forschung und Lehre zu betreiben, wenn irgendwelche finanziellen Abhängigkeiten bestünden. Nur in einem Klima der Unabhängigkeit können sich Wissenschaftler voll ihrer Arbeit widmen. Durch die Stiftung WHU und die Förderer aus der Wirtschaft sind wir völlig frei, es gibt keinerlei Einflussnahme inhaltlicher Art. Das ist sicher einer der Gründe, warum die WHU – Otto Beisheim School of Management ein so großes Renommee genießt. Glaubwürdigkeit ist ein hohes Gut, auch und besonders in der Wissenschaft.

UniversityJournal: Setzt die WHU in puncto Gehalt oder Karriereschritte auf andere, erweiterte Anreizsysteme, wie es beispielsweise eine Öffentliche Hochschule nicht macht (beziehungsweise machen kann)?
Frenkel: Als Privathochschule haben wir da schon differenziertere Möglichkeiten. Für Wissenschaftler ist Gehalt zwar ebenfalls bedeutend, aber nicht das einzige Kriterium bei der Wahl der Institution, zu der sie gehen. Wissenschaftlern ist ein Klima wichtig, das ihnen den Kopf freihält für ihre Arbeit. Nur wenn sie sich wohlfühlen, bringen sie Bestleistungen. Und an der WHU sind die Voraussetzungen dafür ausgezeichnet: Die starke internationale Ausrichtung zusammen mit der sehr guten Ausstattung von Forschung und Lehre, der engen Rückkoppelung mit der Praxis und dem anregenden Arbeitsumfeld – diese Kombination macht die WHU als Wissenschaftseinrichtung besonders attraktiv.

UniversityJournal: Was möchten Sie unseren Lesern noch zurufen?
Frenkel: Die WHU ist auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet. Unser Anspruch, Manager mit umfassenden Führungsqualitäten auszubilden, ist aktueller denn je. Mit dem Unterschied, dass wir keinem Trend hinterherlaufen, sondern diesen Ansatz seit unserer Gründung konsequent verfolgen. Das zeigt der Modellcharakter unserer Programme sehr deutlich. Gerade in der heutigen Zeit haben Manager eine besondere Verantwortung. Dass eine private Hochschule so viel Gewicht auf diesen Aspekt der Führungskultur legt, ist nicht selbstverständlich. Wir werden unsere Programme auch in Zukunft weiterentwickeln und wollen damit den Modellcharakter der Institution weiter ausbauen.
 
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